Ulrike Klahn, Erich Hünecke und Gerald Erdmann mit Moderatorin Martina Gilica im Studio der NDR-PlattenkosteViel zu erzählen gab es in der Sendung »Plattenkiste« bei NDR 1 Niedersachsen. Am 27. Oktober zwischen 12 und 13 Uhr unterhielten sich Ulrike Klahn, Erich Hünecke und Gerald Erdmann mit Moderatorin Martina Gilica über die Arbeit der Guttempler–Gemeinschaft in Lüneburg.

Die Guttempler sind eine weltweite Organisation, die seit 165 Jahren besteht und sich um Abstinenz von Alkohol und Drogen, aber auch Frieden und Bildung kümmert. Durch ihren Mann kam Ulrike Klahn dazu. Für sie war es kein besonderer Schritt, als Guttemplerin fortan auf Alkohol zu verzichten. Auf einem Kongress entdeckte sie den Entwicklungshilfestand – der fand sofort ihr besonderes Interesse. Die Entwicklungshilfe der Guttempler heißt »Forut«, das kommt aus dem Norwegischen und bedeutet »Voraus«. So setzt sich Ulrike Klahn beispielsweise für Schulbau in Guinea–Bissau ein, eine Unterstützung, die vom Staat dort nicht geleistet wird, der nur 50 % der Schulplätze stellt. Auch Frauen werden von den Guttemplern gefördert, ebenso Jugendliche oder auch Kinder im Rahmen von »KiM – Kinder im Mittelpunkt«.

Erich Hünecke ist schon mit 14 Jahren bei den Guttemplern eingetreten und inzwischen seit 70 Jahren dabei. Mit leisem Schmunzeln erzählt er seine Geschichte in der Sendung. Als Teenager war er in einer Laienspielgruppe, die sich auflöste – seine Mutter empfahl ihm:

»Geh zu den Guttemplern, die machen auch so 'was.«

So kam er schon in jungen Jahren in die Gemeinschaft. Immer wieder im Lauf der Zeit sind ihm Alkoholiker begegnet, die oft staunten, was ihn zu den Guttemplern gebracht hatte. Hünecke betrachtet es als sehr positiv, wie Alkohol– und Drogenabhängigen von der Guttempler–Gemeinschaft geholfen wird, sich von ihrer Sucht zu entfernen und zu befreien.

»Auf verschlungenen Wegen«, so formuliert er es selbst, kam Gerald Erdmann vor etwa anderthalb Jahren zu den Guttemplern. Er ist Alkoholiker, aber seit 24 Jahren trocken. Er besuchte in diesen Jahren verschiedene Selbsthilfegruppen, die er eine Weile auch leitete, bis er sich entschied, seine Lebensgeschichte niederzuschreiben. Danach hatte er »Kapazitäten frei«, sagt er humorvoll und kam mit einem Freund, der die Idee hatte, zu den Guttemplern. Auch da hilft er Menschen mit Suchtproblemen. Ein beschützter Rahmen wird geboten um Abladen zu können, um Zuhörer zu finden, die mit Verständnis lauschen. Niemand muss sich dort erklären, denn alle in der Runde haben diese und ähnliche Erfahrungen in ihrem Leben gemacht. So kann eine Vertrauensbasis geschaffen werden um herauszufinden, was als Hilfe getan werden kann.

Die Hilfe geht weiter: Persönlichkeitsentwicklung – das ist das Stichwort. Erich Hünecke erwähnt in diesem Zusammenhang Hobbys, die von den Alkoholikern neu entdeckt und gepflegt werden und für die sie ihrer Sucht wegen zuvor nie Zeit hatten. Das kann werden wie das Theaterspiel, das ihn bereits durchs ganze Leben begleitet.

Alle Gäste der Sendung haben Freunde, mit denen sie auch feiern. Wenn sie auch keinen Alkohol mehr trinken als Guttempler, können sie doch ausgelassen fröhlich sein mit den Fröhlichen, betonen sie in der Sendung. Und jeder, der sich für eins der Themen interessiert, kann mitmachen bei den Guttemplern.

Von Montag bis Freitag heißt es zwischen 12 und 13 Uhr bei NDR 1 Niedersachsen »Die Plattenkiste – Hörer machen ein Musikprogramm« und die Sendung wird komplett von den Gästen gestaltet. In der Sendung können sich Vereine, Clubs, Organisationen vorstellen – egal ob Chor, Surfclub, Theater– oder Selbsthilfe–Gruppe. Informationen zur Bewerbung unter www.ndr1niedersachsen.de

Quelle: Norddeutscher Rundfunk, Redaktion Wort